Editorial




Eine längst überfällige Exegese


"Und Jesus trat zu ihnen, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, (dann) werde ich bei euch sein alle Tage bis an der Welt Ende." (Matth. 28,18-20)

Es verwundert viele unserer Freunde, warum wir uns nicht diesem so wichtigen Missionsbefehl bislang in unseren Israel-Veröffentlichungen, die bis zum Jahr 1977 zurückreichen, zugewandt haben. Denn gerade an diesem Verkündigungsauftrag sogar in der Welt und erst gegenüber dem Volke Israel scheiden sich heutzutage die Geister, nicht nur in der Gesellschaft, sondern vor allem auch in den Kirchen- und freikirchlichen Gemeinden.
Was seinerzeit ein durch den Messias ausgesprochenes Gebot war, ist heute durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Gerade die Anbiederung an den Islam, zuletzt auch durch den Papst Benedikt XVI. nach seinen kritischen Einlassungen über den gewaltbereiten Islam und die ökumenische Gleichmacherei gegenüber anderen Religionen zeigt das wahre Ausmaß des endzeitlichen Glaubensabfalls. Weder Muslime, Buddhisten, Hindus noch Juden sind so eilfertig bereit, ihre Glaubensüberzeugungen in dem Maß zur Disposition zu stellen wie ausgerechnet die Vertreter und Gläubigen des Christentums. Daran erkennt man, wie heftig der altneue Widersacher gerade bei den Christen wirkt um der Gunst bei Andersgläubigen willen, so als gäbe es dort eine Dialogbereitschaft, die an den Grundlagen ihrer eigenen Religion kratzen könnte. Denn der Fehlschluß bei den Christen besteht darin, dass sie meinen, Vertreter anderer Glaubensüberzeugungen würden in gleicher Weise ihre Religion verleugnen, wie sie selbst dazu bereit sind. Dabei wird sogleich ex cathedra vom Heiland selbst festgestellt, dass ihm "alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben" worden ist. Schon mit dieser Feststellung wird ausgesagt, dass es keine Diskussion darüber geben kann und darf, wer das Zentrum unseres Glaubens ist, denn dann wäre auch sein Sühnetod für uns Sünder am Kreuz obsolet. Bereits beim Abendmahl hatte der Messias Jeschua seinen Jüngern gesagt, dass er nach der Auferstehung ihnen nach Galiläa vorausgehen werde (Matth. 26,32). Von den dereinst zwölf Jüngern waren nunmehr elf übrig geblieben, nachdem einer von ihnen zum Verräter geworden war. In seinem verklärten Zustand sagt er ihnen etwas, was einem Testament entspricht - bis er persönlich wiederkommen wird in der Kraft Gottes. Sein Erlösungswerk ist zwar "vollbracht", aber findet erst durch seine Wiederkunft auch seine irdische Ausprägung, insbesondere was die Heimholung Israels angeht. Denn die Jünger, die selbst dem Volke Israel angehörten, waren nur die Vorhut für die judenchristlichen Verkündiger im heimgekehrten Volke Israel und die künftigen Priester im Tausendjährigen Friedensreich. Jeschuas Siegesruf findet seine Entsprechung in diesem seinem Allmachtswort, das - zunächst - in dieser sichtbaren Welt verborgen liegt, sonst würden sich die Politiker und auch Kirchen nicht derart um einen Frieden zwischen den Religionen und Staaten dieser Welt bemühen. Erst bei seiner Wiederkunft in Jerusalem "am Ende der Tage" wird der Heiland dann auch sichtbar den Weltfrieden herstellen - ohne Hinzutun der ehrsüchtigen Menschen (Sach. 14,4). Denn es ist seine urpersönliche Sache "dawar Adonai", das neue Zeitalter des Friedens durch seine Erscheinung einzuleiten. Bis dahin herrscht die Macht der Finsternis in dieser Welt mit all ihren furchtbaren Erscheinungen und Greueln. Die beiden letzten Weltkriege und die systematische Vernichtung vor allem des europäischen Judentums zeugten von der schrecklichen Maske, hinter der Menschen sich versteckten und sich dabei noch auf einen Befehlsnotstand beriefen, die ihr Gewissen erschlagen hatten.
Dem kirchlich geprägten "christlichen Abendland" mit seinem unseligen mittelalterlichen Bündnis zwischen Thron und Altar war es nicht gelungen, der Sache des messianischen Christentums zum Siege zu verhelfen und die Welt zu befrieden. Denn die schrecklichsten Kriege in der Geschichte fanden im vermeintlich christlichen Abendland statt. Dieses unfassbare Phänomen hat dazu beigetragen, dass dadurch die Glaubwürdigkeit des christlichen Zeugnisses derart beschädigt wurde, so dass auch wir bekennende Judenchristen in Israel große Mühe haben, bei der jüdischen Bevölkerung gehört zu werden und durch unser Bekenntnis Glauben zu finden. Und genau dies hat der Heiland für unsere Endzeit vorhergesagt, ob er wohl bei seinem zweiten Kommen noch Glauben finden wird (Lukas 18,8)? Die Aussage in Eph. 6, wonach wir nicht nur mit Fleisch und Blut zu kämpfen haben, sondern mit den Gewalten finsterer Mächte, hat sich mehr als bewahrheitet. Ein massiver Glaubens- und Bekenntnis-aufstand gegen diesen diabolischen Machtanspruch durch die Kirche hat zu keiner Zeit stattgefunden. Demgegenüber hatte der Heiland im Garten Gethsemane und am Kreuz seinem Todfeind gegenübergestanden und ihm mutig den Auftrag des Vaters entgegengehalten, sich von seinem Opfergang für unsere Sünden nicht abhalten zu lassen. Die Kirchen und viele Freikirchen, die sich gerade in unserer Zeit der Ökumene verschrieben haben, sind uns bekennenden Judenchristen in Israel alles andere als ein mutmachendes Vorbild, denn wer den Heiland der Welt nicht nur gegenüber Andersgläubigen, Juden und Muslimen verleugnet, hat seine Zugehörigkeit zu seinem Heiland aufgekündigt und sich in den Machtbereich Satans begeben, dem es vor allem darum geht, Israel weiterhin von seinem messianischen Erlöser fernzuhalten und damit Gott als Lügner hinzustellen. Gerade diese teuflische Macht in unseren Tagen, auch an den radikalislamischen Fanatikern ablesbar, ist und bleibt Widersacher Gottes, der sich gegen Gottes Heilspläne auflehnt und allzu viele Wegbegleiter auch und gerade unter Christen findet. Je mehr dieses Zeitalter der "Heidenzeiten" dem Ende zustrebt, offenbart sich zunehmend in seiner ganzen Furchtbarkeit und Grausamkeit, was uns die Offenbarung des Johannes verdeutlicht. Dass dabei recht viele Christen noch vor dieser Drangsalszeit entrückt werden möchten, ist, menschlich gesehen, all zu verständlich, aber nur wer überwindet, erhält auch die Krone des ewigen Lebens (Offb. 2,7.11.26; 3,5.12.21; 21,5-8). Denn der auf Golgatha besiegte Ur-Antichrist ist nicht eingesperrt und in einem Gefängnis festgehalten, sondern geht frei herum und verschlingt wie ein brüllender Löwe - wenn möglich - auch die Auserwählten (Matth. 24,22). Die Liebe erkaltet und die Ungerechtigkeiten nehmen dabei zu. Als Ergebnis zerfallen die Ehen und ganze Familien. Die Mächte des Verderbens und des Todes beanspruchen ihrerseits alle Gewalt auf Erden und sind demzufolge Antipoden des Allmachtsanspruchs unseres messianischen Erlösers Jeschua!
Dies bedeutet nicht, dass Gott dieser Entwicklung ohnmächtig zusieht. Es gehört - wie auch im Falle Israel - zum System der Erwählung und Auswahl, dass sich Christen gerade in einer solchen "Atmosphäre" der mannigfachen Gefahren im Glauben bewähren. Gott überwindet das Böse dadurch, indem er ihm soviel Raum gibt, wie ihm die Menschen Raum geben. Dies heißt, wenn wir dem Bösen Raum geben, werden uns die finsteren Mächte beherrschen. In dem Grad, wie die christlichen (Kirchen-) Gemeinden dem lebendigen Glauben den Rücken kehren, um sich beispielsweise gleichmacherisch anderen Religionen "in Respekt und im Geiste der Toleranz" zuzuwenden, zieht sich der Geist Gottes als die heutige "Schechina" (Einwohnung Gottes in Form seiner Geistgegenwärtigkeit) von uns zurück. Wer indes mehr Furcht vor den dämonischen Nachstellungen hat, vertraut nicht mehr der Gnadengegenwart unseres Heilands. Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass der Ewige allein das Maß kennt, ob und zu welchem Zeitpunkt (kairos) der nächste Schritt in Richtung Endzeit erfolgen soll und muß.
Gottes Allmacht lässt sich mit unserem Denken genauso wenig vereinbaren, wie seine Langmut. Wo uns Menschen seit langem die Geduld über die Zulassung des Bösen ausgegangen wäre, wartet der Heiland mit seinem Gerichtshandeln noch ab, obschon die Zeichen des äußeren und inneren Zerfalls in der Gesellschaft und in den Gemeinden unübersehbar geworden sind. Doch wie der von Herzen betrübte Heiland im Garten Gethsemane vom Engel des HERRN aufgerichtet wurde, dürfen auch seine Nachfolger in der Stunde der Not und Bedrängnis auf solchen Trost hoffen. Wichtig ist nur, dass wir uns nicht vom rechten Weg ablenken lassen. Denn erst aus der Erkenntnis unserer eigenen Schwachheit heraus, kann und wird uns der Heiland Jeschua eine Kraftquelle sein. Dies kann ich hier so überzeugend niederschreiben, weil es mir selbst so ergeht, denn nicht mein persönlicher Wille soll geschehen, sondern der unseres HERRN in allen Dingen. So sind bei unserem Erlöser Schwachheit, Trübsal, Verfolgtwerden und zuweilen auch Angst seine Mittel, die uns noch stärker an ihn binden und mit denen er rettet, tröstet und wieder aufrichtet. Deshalb sind immer die Gedemütigten und Verachteten seine Gefolgsleute (hebr.: g'warim amiti), die nicht verzagen, sondern sich stets an ihm als ihrem rechten Hirten aufrichten lassen, die Jeschua in besonderer Weise so zurichtet, dass sie für ihn als zubereitete Werkzeuge nutzbar sind (Psalm 34,19). Wer die Trübsal scheut, lässt sich nicht zubereiten für die Ewigkeit! Es widerstrebt uns, wenn wir leiden; oftmals ein Christ an sich selbst, aber dieses Leiden wirkt zur Ewigkeit hin. Wer in der Welt gelobt und geehrt wird und solche ehrsüchtigen Ziele anstrebt, wird kaum den Siegerkranz aus den Händen Jeschuas erhalten. Deshalb soll ein Christ danken, wenn der Heiland das Gegenteil von dem tut, worum sein Fleisch begehrt. Denn nur dort, wo wir den Knechtsweg gehen, kann sich Gottes vollmächtiges Wirken entfalten, auch wenn wir dadurch vor der Welt als törichte Narren gelten (1.Kor. 1,27-31). Nehmen wir diese Herausforderung wirklich an? Dem Heiland Jeschua ist solche Vollmacht vom Vater übergeben worden. Bislang hat sie vor der Welt keine Beachtung gefunden. Man treibt gar Hohn und Spott mit ihr, wenn der Heiland als "Geschenk einer Hure" (hebr.: etnan zonah) im Talmud bezeichnet wird oder in Filmen der Messias als triebhafter Mensch dargestellt wird (da-Vinci-Code). Wahre Christen stöhnen nicht zu Unrecht über die zunehmend unhaltbaren Zustände in der Welt, aber dadurch werden sie zugerichtet zu ihrer letzten Wegstrecke, vielleicht sogar als Märtyrer zubereitet zu werden.
"Gehet hin!"

So lautet der Aufruf an uns alle auch und gerade im Heute. Nicht die Selbstzufriedenheit über sich selbst macht den wachen und aktiven Christen aus, sondern sein beherzter Einsatz, gerade in diesen trüben Tagen, das Wagnis zum Bekenntnis einzugehen. Wie der Heiland einst seine Jünger aussandte, so sendet er uns auch heute aus, um Menschenseelen zu retten. Warum sollten hierbei die Angehörigen des Volkes Israel weiterhin im Abseits stehen, wo gerade ihnen diese froh machende Botschaft gilt (Röm. 1,16-17)? Diese Sendung ist auch keine vorläufige und zeitlich begrenzte Sendung wie in Matth, Kap. 10, sondern eine fortwährende und bleibende, die selbstverständlich nach der Rückkehr der Juden in ihr ursprüngliches Land auch wieder Israel mit einschließt, zumal sich der Heiland in erster Linie zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel gesandt wusste. Matth. 10,6 ist daher eine Aufforderung, die vergleichbar ist mit unserem "Gehet hin und verkündigt, lehret und taufet, damit niemand für die Ewigkeit verloren geht". Ein Philosemitismus, der diese Liebe zu den Juden nicht beinhaltet, ist geistlich begründeter Antisemitismus, weil dadurch die Juden weiterhin von ihrer messianischen Lebensquelle Jeschua ausgeschlossen bleiben. Denn bis zu dem Aufruf "Gehet hin!" war die dogmatische Enge der Tempelgemeinde in Jerusalem und späteren Synagoge durchbrochen und zur Universalität der Weltgemeinde geworden, aber dies schließt nicht eine Umkehrbewegung am Ende der Tage aus, wo es gilt, das jüdische Volk erneut auf seinen Friedensbringer Jeschua im Sinne von Jes. 9,5-6 imperativ und sogar ultimativ hinzuweisen. Wer dies bewusst unterläßt, besitzt nicht den Heiligen Geist, der uns Antriebsfeder in all unserem Tun sein muß, wie dies an Schawuot (Pfingsten) so dramatisch der Fall war. Denn das Ziel des Alten Bundes ist nun einmal der Neue Bund, geschrieben und besiegelt mit dem Blut des jüdischen Messias Jeschua! Diesen zu verachten, bedeutet eine Zurückweisung der einmaligen Heilstat des Sohnes Gottes Jeschua, für uns dahingegeben, damit wir leben, wenn wir auch sterben. Eine Universalität ohne Israel ist keine Universalität! Diese Aussage ist gerichtet an sämtliche so genannte Israel-Werke, die zwar dem Volke Israel etwas Gutes zukommen lassen möchten, aber in Wahrheit den Kern seines künftigen Heils wohlweislich unterschlagen und damit zu Handlangern des Teufels werden. Welch eine entsetzliche Verkennung und Beleidigung des HERRN! Der Verkündigungsbefehl

Es bleibt nicht bei dem "Gehet hin!" Was haben wir weiterhin zu tun: Nicht nur alle Völker zu Nachfolgern Jeschuas zu machen, sondern auch zu taufen und zu lehren, was uns als Neues Testament hinterlassen wurde. Aber am ökumenischen Trend in der lädierten und in sich verunsicherten Christenheit erkennen wir schmerzhaft, wie wenige Christen sich noch in eine solche Nachfolge stellen lassen. Eine solche Kompromisslosigkeit sehen wir bei den Islamisten, die für ihren Glauben sich selbstmörderisch in die Luft sprengen. Auch an diesem Phänomen erkennt man, dass die dämonischen Kräfte heutzutage viel agiler sind als die Glaubenskräfte auf der Seite der Christen, die sich auf ihre ungläubige Umgebung eingestellt haben, anstatt ihr die Heilslehre des einzigen Erlösers Jeschua nahe zu bringen, in der ein Mensch Seligkeit finden kann. Es ist eine verführerische Lüge, wenn man hier nach anderen Wegen sucht, die zu einem Arrangement mit anderen Religionen führen (Weltethos von Hans Küng).
Ein solcher Nachfolger Jeschuas denkt dabei nicht nur an seine eigene Person, sondern ist beseelt von dem Wunsche, auch andere Menschen, unabhängig ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder ihrer Weltanschauung, an den Heilsgaben des Evangeliums teilhaftig werden zu lassen. So jedenfalls wirkt der Geist Gottes in uns. Doch allzu viele Christen erschöpfen sich ständig um ihre eigene Person und in ihrer Sorge, ob sie wirklich Seligkeit finden werden. Und wenn hier in unserem Eingangstext von "allen Völkern" die Rede ist, dann dürfen wir Israel nicht abschreiben, so als gehöre das Volk in Zion nicht zu "allen Völkern". Schließlich soll es doch zum geistlichen Führungsvolk aller Völker werden. Auch der Apostel Paulus vergleicht in Röm. 11,15 Israels Wiederannahme mit einer Totenauferstehung (Hes. 37,1-14). Denn anhand unseres evangelistischen Einsatzes in Israel erkennt man in den Judenchristen, dass der Unglaube Israels gegenüber seinem Messias Jeschua kein endgültiger ist, wie dies die institutionelle Kirche in allen Jahrhunderten festschrieb.
Und wenn es Christen gibt, die die Trinitätslehre verurteilen, dann schreibt der Heiland vor, die Menschen "im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" zu taufen. Die hebräische Ur-Formulierung "be-schem" meint dabei die Gottheit, die sich dreifach manifestiert, als Vater, als Sohn und in Form des "Trösters", was seinem Geist entspricht, auf den sich der Heiland ausdrücklich beruft (Joh. 14,26; 15,26; 16,7). Dabei geht es um den EINEN Namen und nicht um eine dreigeteilte Gottheit. Die dreifache Entfaltung bezeugt, wie der Eine Gott (schma Israel Adonai elohe'inu, Adonai ECHAD) sich uns zuwendet und offenbart in dem Ganzkörper-Tauchbad mikve-Taufe. Aufruf und Taufe empfangen ihren Sinn und ihre beglaubigte Kraft dadurch, dass der auferstandene Messias-Christus diese seinen Jüngern überträgt. Diese Amtshandlung ist nicht unbedingt übertragbar auf eine spätere Kirche, die Blut der Märtyrer an ihren Händen trägt. Mandatsträger ist, wer zum Eigentum des Heilands gehört. Doch gegenüber der jüdischen "Mikwe" besteht das Neue in der Taufe, die der Auferstandene stiftet, dass der jüdische Messias Jeschua in diese Taufe eingegangen ist (Matth. 3,13f.; Joh. 3,5) und mit seinem Leiden und Sterben und Auferstehen ihr eigentlicher Inhalt geworden ist. Ein Säugling kann demzufolge die Fülle der Taufbedeutung gar nicht erfassen. Getauft werden heißt nunmehr, mit diesem Messias-Christus gemeinsame Wege zu gehen, in ihm zu sterben, um mit ihm zum neuen Leben zu erstehen (Röm. 6,1f.). Doch mit der Taufe verbindet sich auch der Auftrag zur neutestamentlichen Lehre, nämlich "alles zu halten, was ich euch aufgetragen habe". Durch das Wort (griech.: logos) wurde die Welt geschaffen. Durch das gleiche Wort Gottes, in dem Messias Jeschua geoffenbart, soll der Glaube der Christen so fundiert werden, dass er sich multipliziert und in dieser seiner Vielfalt zum Licht für andere Menschen wird. Diesen Urauftrag des "or le-go'im" (Licht für die Völker) ist dem israelitischen Volk angetragen worden (Jes. 42,6; 49,6; Apg. 13,47), hat diesen Auftrag jedoch noch immer nicht vollzogen, weil ihr Messias Jeschua dieses "Licht" verkörpert und die permanente Verwerfung desselbigen Messias dafür sorgt, dass Israel noch immer nicht zum Licht der Völker mutierte. Dieser tragischen Entwicklung wollen wir bekennende Judenchristen durch unser beherztes öffentliches Zeugnis entgegenwirken, auch wenn uns dabei keine Groß-Kirche oder eine einzige freikirchliche Gemeinde unterstützt, denn unsere Hilfe steht im wahrsten Sinn des Wortes allein in dem HERRN, der uns diesen Auftrag aufs Herz gelegt hat.
Nur unter dieser Voraussetzung dürfen wir dann auch mit Jeschuas Allgegenwart rechnen, denn der Heiland sagt den Seinen zu: "Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung der Zeit!" Also "alle Tage" und "an jedem Ort" ist er unsichtbar und verborgen bei uns als den Berufenen mit dem Rufenden und nimmt so Anteil an unserer Gemeinschaft. Sind wir uns stets dieses Zusammenhangs bewusst? Denn diese Verheißung des HERRN ist für die Gemeinde und die so Berufenen Ausrüstung und Legitimation, die zu diesem Dienst ermächtigt und befähigt. Nicht die Ordinationsurkunde irgendeiner institutionellen Kirche befähigt zum Dienst in der Nachfolge, sondern diese ganz persönliche Berufung und Bindung an den messianischen Aussender. Nicht geht es um bloße Erinnerung daran, was Jeschua für uns getan hat, sondern es ist der gemeinsame Glaubensweg, der zum Lebensweg wird (2.Kor. 3,2-3; 5,20). Damit erschließt sich uns ein Stück der neuen Welt Gottes, zwar noch nicht den Drangsalen dieser Welt entronnen, doch mit Jeschua durch Leid und Schmach hindurch getragen, weil wir schon jetzt beim HERRN sind alle Zeit (1.Thess. 4,17; Joh. 14,3). Auch wenn wir noch nicht am Ewigkeitsziel sind, so haben wir das Ziel der Freudenbotschaft gefunden, denn Jeschua ist und bleibt der Vermächtnisgeber und wir seine Werkzeuge in all unserer Schwachheit, die uns anhaftet. Wie haben wir den Geist Gottes einzustufen?

Wenn es in unserem Eingangswort heißt, auch "im Namen des Heiligen Geistes" zu taufen, dann sollten wir uns darüber einmal Gedanken machen. Aufschlussreich ist, dass der Terminus "Heiliger Geist" (ruach ha-kodesch) nur wenige Male im Alten Testament Erwähnung findet (Ps. 51,13; Jes. 63,10f. ; Dan. 5,12; 6,4). Natürlich wirkt dieser Geist auch an dem Volke Israel im Zuge seiner Renaissance (Hes. 37,8b-9), denn nur der Geist Gottes vermag lebendig zu machen, was zuvor tot war. So wie Gottes Arm (Ps. 98,1; Jes. 52,10), Name (Hes. 36,20; Amos 2,7) und Wort (Ps. 105,42; Jer. 23,9) heilig sind, so dass "heiliger Geist" eigentlich "göttlicher Geist" heißt (2.Mos. 31,3), so weht er wann, wo und bei wem dieser Geist Gottes Einlaß findet. Gott ist Geist (Joh. 4,24) und wer ihn anbetet, muß ihn im Geiste anbeten, wobei dieser weder an einen Ort noch an ein Volk gebunden ist (Joh. 4,21). Wer seine Kraft leugnet, wird Gottes Geist auch nicht an sich erfahren. Diese Kraft ist auch dafür verantwortlich, wenn bei bestimmten Menschen außergewöhnliche, wunderbare, aber vorübergehende Erscheinungen von Macht, Heldenmut oder prophetischer Verzückung zu sehen sind. Ergreift der Geist Gottes den Simson (Ri. 13,25; 14,6), so kann der Held einen Löwen entzweireißen (14,6), dreißig Männer erschlagen (14,19), die Stricke, mit denen man ihn bindet, zerreißen (15,14f.). Erfaßt der Geist Gottes den Othniel (Ri. 3,10), Gideon (6,34), Jephte (11,29) oder Saul (1.Sam.11,6f.), so leisten diese Menschen außergewöhnliche Heldentaten und erringen unverhoffte Siege. Unter dem Einfluß des Heiligen Geistes spricht Bileam sein Orakel aus, (4.Mos. 24,2) und geraten die Propheten (1.Sam. 10,5-13; 19,20-24; 1.Kön. 22,10-12,21), die Ältesten (4.Mos. 11,25), die Boten Sauls und Saul selber (1.Sam. 10,10; 19,19-24) in Verzückung. In dergleichen Erscheinungen, die die menschlichen Kräfte oder das übliche menschliche Tun übersteigen, verspüren die Israeliten eine Wirkung des Geistes Gottes (vgl. auch 1.Chr. 12,18; 2.Chr. 15,1; 20,14; 24,20; Hes. 3,10-15; 8,3; 11,1-24; 37,1; Joel 3,1f.). Es gibt aber auch Fälle, wo der Heilige Geist nicht mehr als eine sich in vorübergehenden Erscheinungen offenbarende Kraft, sondern sich als eine bleibende Macht manifestiert, die der Ewige einem Menschen um eines besonderen Amtes willen schenkt. So ruhte der Geist Jehovas auf Moses (Mosche) (4.Mos. 27,18; 5.Mos. 34,9), er kommt über David vom Tage seiner Salbung an und weiterhin (1.Sam. 16,13) und spricht durch seinen Mund (2.Sam. 23,2), er erfüllt die Kunstverständigen (2.Mos. 28,3; 31,3; 35,31), er ruht auf Elisäus, der ihn von Elias geerbt hat (2.Kön. 2,9), so dass der Prophet überhaupt als ein "Geistesmann" bezeichnet wird (Hos. 9,7); er ruht auf dem messianischen König (Jes. 11,2) und seinen Mitarbeitern (28,6), auf dem Gottesknecht (ewed ha-Schem) (42,1) und auf dem Propheten der Frohbotschaft (61,1). Schließlich ist der Geist Gottes das Organ, das dem Volke durch Vermittlung der Propheten fortwährend die Weisungen der Gottheit darbietet (Neh. 9,30; Sach. 7,12; vgl. Jes. 48,16) und sogar der Besitz der Weisen (Hiob 32,8).
Demgegenüber wirkt der Geist Gottes als Lebens- und Schöpfungskraft sowie als sittlich wirksame Kraft. Im Alten Bund lag der Akzent des Heiligen Geistes auf der Erfüllung der Bundesverheißungen. Im Neuen Bund indes geht es um eine religiös-messianische und sittliche Erneuerung als Kennzeichen des neuen universalen Bundesschlusses. Nach Jes. 11,1-6 wird der Geist Gottes auf dem messianischen König ruhen und neben intellektuellen auch sittliche Wirkungen hervorbringen, die beide die Kräfte der menschlichen Natur übertreffen, vor allem Weisheit, Erkenntnis und Furcht Gottes. In seinen Mitarbeitern wirkt der HERR einen Geist des Rechtes, auch im Sinne des Gerichts (mischpat) und der Heldenkraft (Jes. 28,6). Der Geist Gottes wird ruhen auf seinem Knechte, um diesen zum Mittler des Neuen Bundes und Licht für die Völker zu befähigen (Jes. 42,1.6) und auf dem Propheten, der die Frohbotschaft Gottes verkündigen und verwirklichen und die Gerechtigkeit wiederherstellen soll (Jes. 61,1-4).
Aus der Höhe wird ausgegossen der Geist, der Recht und Gerechtigkeit heraufführen wird (Jes. 32,15-17; vgl. 44,3-5). Ein Geist des Gerichts und der Läuterung wird den Unrat der Töchter Zions tilgen (Jes. 4,4). Aber nicht nur die Gemeinschaft, sondern jeder einzelne Mensch muß geläutert und umgeschaffen werden, indem er den Gott empfängt, der bewirkt, dass er nach Gottes Geboten wandelt: der neue Geist, der ein beschnittenes Herz schafft (Hes. 36,25-27; vgl. 39,29; Jer. 31,31-34) als verheißener Neuer Bund ( 32,38-40). Diese innere Umwandlung erbittet auch der Psalmist (Ps. 51,12-14).
Nur durch die Kraft des Heiligen Geistes wird der bußbereite Sünder zu einer neuen Kreatur (2.Kor. 5,17; Gal. 6,15). Doch nur selten wird der Geist Gottes im Alten Bund personifiziert verstanden, so als habe er Empfindungen, die man betrüben könne (Jes. 63,10). Die neutestamentlichen Anschauungen vom Heiligen Geist schließen sich den alttestamentlichen an. Hiernach kommt Gottes Geist von oben her, aus den Himmeln (schammaim) (Mark. 1,10; Joh. 1,32f.; 1.Petr. 1,12), vom Vater (Joh. 15,26; 16,13) und wird ausgegossen (Apg. 10,44; 11,15); er wird vom Vater gesandt und den Menschen gegeben (Apg. 2,17; Tit. 3,5f.); er erfüllt schließlich den Menschen (Luk. 1,15; 4,1; Apg. 2,4; 4,8) und ruht hinfort auf ihm (Joh. 1,33) oder wohnt gar in ihm (Röm. 8,9; 1.Kor. 3,16).
Der Heilige Geist ist somit die übernatürliche Kraft, durch die Gott gelegentlich und vorübergehend bei einem Menschen eingreifen kann, sei es, um Wunder zu bewirken wie bei Teufelsaustreibungen (Matth. 12,28; Luk. 11,20), Heilungen oder andere Machtwirkungen herbeizuführen. Hierher gehören auch prophe- tische Einsichten, Visionen und Äußerungen (Luk. 1,41.67; 2,25f.; Apg. 7,55; 8,29.39; 11,12.28; 20,23; 21,11; 1.Kor. 12,8-10). Dabei steht an erster Stelle das Pfingstwunder (Apg. 2,4.17f.), über das wir noch im Anschluß berichten wollen, weil es in besonderer Weise Israel betrifft. Vergessen wir dabei auch nicht die "Zungenrede", die in Wahrheit ein Sprachwunder war (Apg. 2,4; 10,46) und die Unterscheidung der Geister ("diakrisis",1.Thess. 5,19-21; 1.Joh. 4,1). Gerade im letzteren Falle geht es sowohl bei charismatisch pfingstlerischen als auch bei nüchtern ausgerichteten lutherisch-evangelikalen Kreisen drunter und drüber. Zwar räumen "nüchterne" Christen ein, dass man vom Heiligen Geist erfüllt werden könne, leugnen aber gleichzeitig dessen Wirkungen (charismata) oder unterstellen pauschal "nachgeahmte Wirkungen", was in religiöse Sackgassen führe, weil man zwischen den diversen Geistern nicht zu unterscheiden vermag. Zu be- rücksichtigen ist dabei, dass gerade im Endzeitprozeß die Aktivitäten verführerischer Geister zugenommen haben und weiter zunehmen werden. Daher ist die Disziplin der "diakrisis" in unserer Zeit so eminent wichtig. Nicht nur die Propheten, auch die Lehrer (1.Kor. 12,28), die Sieben (Apg. 6,3.5.11; 8,29) und vor allem die Apostel (Apg. 1,8; 2,4; 5,3.9; 8,14-17; 15,28; 7,40; vgl. Joh. 14,16f.; 16,13; 20,22; 2.Tim. 1,14) standen ständig unter der Wirkung des Heiligen Geistes, um ihre Aufgabe akkurat erfüllen zu können. In der Apostelgeschichte ist es tatsächlich der Heilige Geist, der die Gemeinde durch die Apostel und ihre Mitarbeiter verwaltet (Apg. 1,8; 13,2; 15,28; 20,28; vgl. 1.Tim. 4,14; 2.Tim. 1,6). Durch die Niederkunft des Heiligen Geistes wird Jeschua feierlich als der Gesalbte und Erwählte Gottes beglaubigt (Luk. 4,18; vgl. Jes. 61,1; 42,1) und zwar gemäß den Weissagungen der Propheten (Jes. 9,5-6; 11,2; 42,1; 61,1).
Johannes der Täufer verkündigte eine Taufe mit Wasser als Läuterung und Vorbereitung auf das Reich Gottes, bis er komme, der mit dem Heiligen Geiste und mit Feuer taufen werde, d.h. die große messianische Läuterung vollziehen wird (Matth. 3,11 par.). Diese soll geschehen durch den Heiligen Geist, d.h. die göttliche Kraft, die durch Verurteilung der Ungerechten das Volk von der Ungerechtigkeit läutern und durch Feuer, das von den Schlacken der Sünde reinigen wird (vgl. Jes. 4,4; 66,15; Amos 7,4; Mal. 3,2). Diese Heiligung wird in der Mark. 1,8 und Apg. 1,5; 11,16 überlieferten Formel positiver betont: "Ich habe euch mit Wasser getauft; er wird kommen, der euch mit dem Heiligen Geist taufen wird!" Dies bedeutet im Klartext, dass der verheißene Messias mächtiger ist und in göttlicher Autorität auftreten und handeln wird als sein Vorläufer Johannes, auch wenn dies in verdeckter Form geschehen wird, sonst hätten ihn die Juden als ihren messianischen Erlöser angenommen. Denn weder die Völker noch Israel selbst haben sich nicht im Sinne der Erwartungen der hebräischen Propheten umwandeln lassen (Jer. 31,31-34; Hes. 36,25-27). Wenn es unter den Völkern nur um einzelne Menschen geht, die das Reich Gottes ererben werden, so geht es im Falle Israel stets um das ganze Volk (Amos 3,2). Es kann somit keine Kirche für sich das Recht beanspruchen, allein selig machen zu können, da der Heils-anspruch individuell angelegt ist und nicht institutionell.
Irrig war aber auch die Ansicht der Apostel, die Ausgießung des Heiligen Geistes am jüdischen Schawuot-Fest (Apg. 1,8; 2,3f.) sei bereits der Anbruch der "letzten Tage" (be-acharit ha-jamim nach Apg. 2,17; vgl. Joel 4,12) und damit die Zeit des Heils. In Wahrheit stellte das Pfingstgeschehen lediglich ein Paradigma (Muster) dar, das der universalen Verkündigung des Evangeliums einen gewaltigen Antrieb geben sollte, so dass dadurch auch die Nationen erreicht werden konnten. Eigentlich sollte von diesem Zeitpunkt an der Heilige Geist unter den in Jeschua Geheiligten hinfort am Werke sein, aber das mörderische Handeln einer späteren Amtskirche mit Inquisition, Hexenverbrennungen und Judenverfolgungen hat geradezu alles zunichte gemacht, was dem neuen Liebesgebot in Joh. 13,34-35 widersprach und damit auch die Glaubwürdigkeit der Liebesbotschaft Gottes, in dem Messias Jeschua offenbart, unterlaufen und damit unglaubwürdig gemacht hat. Wie können wir bekennende Judenchristen in Israel unter diesen geschichtlichen Tatsachen diese Liebe Jeschuas unserem Volke noch glaubwürdig machen? Sich auf die göttliche Kraft "des Lebens in Christus Jesus" (Röm. 8,2f.) zu berufen und dabei Menschen zu exekutieren, ist also keine Garantie zum ewigen Leben und überhaupt zum "Sein in Christus". Denken wir auch an den Massenmord an jüdischen Menschen im Dritten Reich, denen keine der vielen Kirchen beigestanden haben. Wo sind die Priester, die sich unter die Deportierten in die Vernichtungslager gemischt haben und für die Geknechteten die Stimme erhoben haben?
Die Zusagen des Neuen Bundes sind mannigfaltig: es geht immerhin um die Prinzipien des ewigen Lebens (Joh. 3,5-8; 6,63; 7,37-39); es geht um das Angeld (2.Kor. 1,22; Eph. 1,13), das "dem Israel Gottes" (Gal. 6,16) sein Erbteil, die ewige Herrlichkeit, verbürgt (vgl. Röm. 8,23). Der Heilige Geist ist zugleich die göttliche Kraft "des Lebens in Christus" (Röm. 8,2f.), denn nunmehr leben die Glieder des Neuen Bundes nicht (mehr) nur nach dem Buchstaben (Torah =Gesetz), sondern im Geiste (2.Kor. 3,6). Christ sein heißt ja, "den Geist Christi" (Röm. 8,9) oder "den heiligen Geist" (5,5) zu haben, "im Geiste zu sein" (8,9) oder sich "vom Geiste Gottes leiten zu lassen" (8,14); mehr noch: den "Geist in sich wohnend" zu haben (8,11). War Paulus so blind, dass er die späteren Verbrechen einer selbstherrlichen Kirche nicht vorhersah? Denn schon die Kirchenväter (Patristen) erklärten die Juden als zum Schlachten bestimmt (Chrysostomus). So eng ist - oder sollte man besser sagen - sollte der lebendig- und heilig machende Geist mit dem jüdischen Messias Jeschua verbunden sein, dass Paulus unterschiedslos sagt: gerechtfertigt in Christus (1.Kor. 1,2) oder im heiligen Geist (Röm. 15,16), besiegelt in Christus (Eph. 1,13) oder im Geiste (Eph. 4,30). Dieses neue Leben in Christus (Röm. 6,4.11) erhält der Christ in der Taufe (Röm. 6,3; Gal. 3,27; 1.Kor. 6,11), "dem Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes" (Tit. 3,5; vgl. Apg. 2,38; 19,2-6). Auch durch Handauflegung (5.Mos. 34,9) empfangen die Getauften den Heiligen Geist (Apg. 8,17-19; 19,6; vgl. 9,17); dieser ist dann aber nicht die Ursache der Heiligung, sondern einer besonderen Geistesgabe (vgl. 1.Tim. 4,14; 2.Tim. 1,6). Aber alle diese Attribute lassen nicht den Schluß zu, den Geist Gottes zu personifizieren und so den Eindruck zu vermitteln, als handle es sich um eine eigenständige Person, losgelöst von der Gottheit. So kann beispielsweise die Lästerung wider den Heiligen Geist (Matth. 12,32 par.) nicht als Beweis für die Persönlichkeit des Heiligen Geistes gelten, denn wider den Heiligen Geist lästern heißt gegen Gottes Wirken zu wirken. Im vorliegenden Falle ging es um die Anklage der Pharisäer, der Heiland habe im Namen und Auftrag des Teufels Besessene geheilt. Werke, die nachweislich vom Geist Gottes und zu seinem Ruhme geschaffen wurden, in denen sich auch heute noch der handelnde Christus-Messias unter uns manifestiert, dürfen nicht verlästert werden, denn dann würde die ganze Heils- und Friedensbotschaft des Messias Jeschua ad absurdum gestellt werden.
Der Heilige Geist ist "der andere Beistand", weil er nach der Himmelfahrt Jeschuas an dessen Stelle tritt, um den Aposteln als "Tröster" beizustehen (Joh. 14,26; vgl. 1.Joh. 2,27), sie zu lehren, was der Heiland ihnen gesagt hatte (Joh. 14,26; 16,12f.) und ihnen die Zukunft zu eröffnen (Joh. 16,13). Der Heilige Geist wird hier als Stellvertreter Jeschuas in der Gemeinde so persönlich dargestellt, dass der Eindruck entstehen konnte, als handele es sich dabei um eine eigenständige Person, was indes unzutreffend ist, denn Gott ist nicht teilbar.
Die Auswirkungen des Heiligen Geistes am Pfingsttag

War es Lieblosigkeit oder ein Richtgeist, der Petrus zu seiner gewaltigen Bußpredigt unter der Wirkung des Heiligen Geistes am Pfingsttag, dem Schawuot-Fest, veranlasste? Wie sind seine anklagenden Worte an die Menschen im damaligen Israel hinsichtlich der Tötung und Verwerfung des Messias Jeschua mit dem Hohelied der Liebe aus 1. Korinther Kapitel 13 zu vereinbaren? Diese Fragen drängen sich auf, auch dann, wenn wir an die harschen Strafpredigten eines Jeremia oder Jesaja denken. Hier wird kein Blatt vor den Mund genommen, denn es geht bei alledem nicht um persönliche zwischenmenschliche Beziehungen, sondern um die Bekundung des ehernen Willens Gottes! Was sagte nun Petrus, der einstige Verleugner des HERRN, als er noch nicht die Bekanntschaft mit dem Geist Gottes gemacht hatte:
Petrus voll des heiligen Geistes, sprach zu ihnen:
"Ihr Obersten des Volkes und ihr Ältesten von Israel (), so soll kund sein euch allen und dem ganzen Volk Israel, dass durch den Namen Jesu, des Messias, des Nazareners, den IHR gekreuzigt habt, den Gott auferweckt hat aus den Toten, durch diesen dieser (Geheilte) dasteht vor euch gesund. Dieser ist der Stein, von euch Bauleuten verworfen, der zum Eckstein geworden ist. Und ist in keinem anderen Heil, ist auch kein anderer Name unter den Himmeln den Menschen gegeben, darin wir selig werden sollen!" (Apg. 4,8-12)
An alle Kirchen und christlichen Organisationen, Israel-Werke und Menschen des Erdkreises gerichtet sei heute ebenfalls kundgetan:
An dieser Aussage Petri hat sich bis heute nichts geändert, weil sie aus der Quelle des Heiligen Geistes entstammt, der sich nicht irrt oder jemals verändert!
Der Unterschied zu damals besteht allerdings darin, dass sich die "christlichen" Nationen nicht besser verhalten haben als seinerzeit das jüdische Volk. Denn mit der Ermordung vieler unschuldiger Menschen, zu denen allzu viele Juden in der Diaspora gehören, hat sich die Kirche entgeistlicht und ihres Verkündigungsauftrages als unwürdig erwiesen! Im Grunde genommen haben wir den Missionsbefehl zu Beginn dieses Editorials neu zu verstehen und ernst zu nehmen - diesmal aus reinem Herzen, aber Geschichte kann man nicht verdrängen oder totschweigen.
Aus seiner Verteidigungsrede wechselt Petrus über in eine unmittelbare Verkündigungs- und Bußpredigt und wird so zum unbestechlichen Zeugen Gottes. Er scheut auch nicht davor zurück, sein eigenes Volk hinsichtlich des Todesurteils über Jeschua anzuklagen, wobei Petrus die Schuld nicht auf die römischen Okkupanten schiebt, wie dies heute angesichts der Schuld der Kirche an den Juden üblich geworden ist. Unter Bezugnahme auf Psalm 118,22 belehrt der "Laie" Petrus die Schriftgelehrten, wer in Wahrheit der Eckstein in diesem Bau Gottes ist; eines Tempels aus lebendigen Bausteinen, der unzerstörbar ist (1.Petr. 2,4-10). Denn gerade die Bauleute, die für den Aufbau Israels Verantwortlichen, hatten und haben noch immer den Stein Jeschua als unbrauchbar verachtet, denn an diesem Zustand hat sich auch nach Israels Rückkehr aus langem Exil nichts geändert, was mir alle Tage Herzeleid verursacht, denn damit schließt sich Israel selbst aus der Gemeinschaft mit dem Gott unserer Väter aus. Jeschua ist seit fast zweitausend Jahren der eigentliche Grundstein, der nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem den ganzen Bau Israels - und natürlich auch den der Gemeinde des Neuen Bundes (Eph. 2,20; 1.Kor. 3,11) - trägt. Er ist sogar der Schlußstein, der dem ganzen Baugewölbe erst seinen Halt verleiht. Jeschua, vom Sanhedrin, dem obersten Jüdischen Rat, und zunehmend in unserer Zeit von christlichen Theologen in Frage gestellt und gar verworfen, ist der Träger unserer Seligkeitsverheißung, sozusagen der Schlüssel zum ewigen Leben. Wer ihn verwirft, hat seine Anwartschaft auf ein ewiges Leben bei Gott verworfen. Es gab und gibt auch heute keinen anderen Heiland, als den, den Petrus coram publico verkündigt hat! Nur durch die Einwirkung des Heiligen Geistes wagt es Petrus, dies öffentlich vor seinem Volk kundzugeben.
Es ging dabei nicht allein um die Heilung des Lahmen, also nicht um die einzelne Rettung des Menschen aus seiner Krankheit, sondern um die Rettung des Menschen vor Gott; also nicht a priori um Heilung, sondern um ewiges Heil. Unter der Einwirkung des Geistes Gottes spricht Petrus sein ALLEIN IN CHRISTUS aus. An diesem Sachzusammenhang scheiden sich bis heute die Geister, auch und vor allem bei den vielen Israel-Werken im In- und Ausland, die mit ihren Solidaritätsbekundungen zu Gunsten Israels nicht den Kern ihrer Aufgabe treffen, weil sie dazu nicht vom Geist Gottes angeleitet sind. Dies ist kein liebloses Urteilen, sondern ein Heils- faktum, denn mit all unseren "guten Werken" an jüdischen Menschen und dem Staat Israel ersetzen wir nicht die Bußpredigt, die zur Umkehr zu dem Heiland Israels aufruft (Röm. 10,17; Offb. 11,1-13). Wer hier etwas anderes predigt, ist nicht aus Gott, sondern Antichrist (1.Joh. 2,22-23; 4,1-3). Wenn Petrus hier unter Lebensgefahr und wir dies seit 1981 in Israels Öffentlichkeit ebenfalls unter Lebensgefahr verkündigen, dann gibt es hier nichts zu diskutieren und zu hinterfragen, sondern beherzt auf den Messias Jeschua in aller Welt und insonderheit im Lande Zion hinzuweisen. Dann allerdings kann man mit keinen Ehrungen durch Menschen oder feudalen Spenden mehr rechnen. Es gibt viele Namen in der Geschichte der Menschheit, die in Geschichtsbüchern "verewigt" wurden, so als gelte es, uns selbst einen Namen zu machen. Doch wer sind wir schon ohne eine gleichzeitige Hinwendung zu unserem Lebensquell Jeschua? Denn alle "schemot" (Namen) dieser eitlen Welt vermögen eines nicht: uns Rettung im Gericht des ewigen Gottes und damit die Rettung aus dem ewigen Tod zu schenken (Psalm 49,8f.). Allein in Jeschua ist uns dieser "Name" von Gott selber geschenkt als eine "unaussprechliche Gabe", über deren wahre Tiefe und Bedeutung wir sterbliche Menschen uns gar nicht bewusst sind.
Denn wir sehen es heute tagtäglich, wie der Heiland im Klima der "Aufklärung" verachtet wird, was der Westen noch als "Kulturgut" verkauft und den Muslimen Anreiz geben soll, in die gleiche Subkultur einzutauchen. "Maria, hättest du abgetrieben, der Papst wäre uns erspart geblieben", tönten einst Jusos und andere Anarchos des damals umkämpften Abtreibungstabus Anfang der 80er Jahre. Die linke "tageszeitung" veralberte den gekreuzigten Heiland in Bayern als "Lattengustl" oder wahlweise "Balkensepp". Der Mime Mathieu Carrière ließ sich öffentlich kreuzigen, um gegen das eingeengte Vatersorgerecht an seiner Tochter zu protestieren. Die bestverdienende Pop-Sängerin und Kabbalistin "Madonna" trat in Deutschland als "dornengekrönte Erlöserin" am Kreuz auf. In der Tat: den Menschen in den letzten Tagen wird nichts mehr heilig sein. Es stellt sich die Frage, ob Menschen anderer Religionen und Konfessionen angesichts von "Love-Paraden" und "Christopher-Street-Days" von Homos und Lesben überhaupt noch einen hohen Respekt vor den Symbolen des christlich-messianischen Glaubens haben können, wenn diese vermeintlichen Namenschristen mit ihrem Tun ihren eigenen Heilsbringer Jeschua verunehren? Dies bezieht sich auch auf die 3,5 Millionen Muslime in deutschen Landen, die lieber ihrem Glauben an einen (falschen) Propheten verbunden bleiben als sich solchen Un-Christen anzuschließen. Und die Kirche: sie schweigt, wie schon während ihrer ganzen Geschichte. So ist die "christliche Leitkultur" zu einer Karikatur verkommen.
Auch Petrus machte in seiner Pfingstpredigt deutlich, dass sich Israel durch diesen Namen Jeschua wird retten lassen "müssen". An diesem aktiven Passiv führt kein Weg vorbei, wenn der Heiland einst aufrief: "Wer da bittet, dem wird gegeben; wer da anklopft, dem wird aufgetan und wer da suchet, der wird finden" (Matth. 7,7). Dies besagt, dass wir die ausgestreckte Retterhand ergreifen müssen, wenn wir gerettet werden möchten. Dies bezieht sich selbstverständlich auch auf das Volk Israel. Und wir sind dankbar, dass im Herzliya-Zentrum von eingeborenen Israelis (Hebräern) vermehrt hebräische Bibeln mit dem Neuen Testament angefordert werden, Aber es bedurfte erst der Katjuscha-Raketen aus dem Libanon, um zu einem Nachdenken im Volke zu führen.
Nochmals: es geht hier nicht um allgemeine Wahrheiten oder Philosophien, als intellektuelle Anstrengungen, um zu ontologischen Ergebnissen zu kommen. Es geht bei Petrus um die Rettung des Volkes Israel und um jeden einzelnen Menschen weltweit. Immerhin waren es in den Augen der Pharisäer und Schriftgelehrten "ungelehrte Leute und Laien", die den professionellen Theologen sagen mussten, was ihre Versäumnisse und Fehlbeurteilungen sind, wenn es um den noch immer verachteten Messias Jeschua geht (Jes. 53,3). Auch heute rümpfen die "Fachleute" die Nase über die Bekenntnisse schlichter und einfacher Christen, die in tieferer Erkenntnis stehen als die versierten Bibelkritiker, die aus der Bibel eine "Wissenschaft" gemacht haben und dabei zu Narren wurden (Röm. 1,22), denn das kluge System des eigenen Denkens ist ein Fallstrick, der in die Verlorenheit führt. So ist es aufschlussreich, dass der Ewige sich immer "Unstudierte" als Werkzeuge nahm, die dem Heiligen Geist unvoreingenommen gegenüberstanden. Daher hatte sich Petrus nicht von dem strengen Redeverbot durch den Sanhedrin beeindrucken lassen, unter Berufung auf den Namen Jeschua weiterhin zu verkündigen und das Volk aufzuklären. Hätte er sich damals einschüchtern lassen, gäbe es kein Christentum.
Wie oft wurden wir in Israel bereits bedroht und verlästert, Brandanschlag und die Drohung, das Zentrum in die Luft zu jagen, unser Telefon abzuhören und Gespräche aufzuzeichnen, konnten uns in unserem Zeugendienst nicht aufhalten. Denn auch wir bekennende Judenchristen können nicht ablassen, von dem zu zeugen, was wir gesehen und vom Geist Gottes als absolute Wahrheit erkannt haben (Apg. 4,20). Somit gilt es, auch weiterhin am Verkündigungsauftrag Gottes festzuhalten, allen Widerständen und falscher Lehre - auch über Israel - zum Trotz, denn wir haben Gott mehr zu gehorchen als Fleisch und Blut. Unter der Wirkung des von sich zeugenden Geistes Gottes, der unablässig auf die Verherrlichung des Messias Jeschua hinweist, sind wir gar nicht imstande, etwa kein Zeugnis abzulegen und Menschen auch unseres Volkes in Zion nicht einzuladen, das Heil zu ergreifen, in dem Israel allein Ruhe und endlichen Frieden in dem Gott unserer Väter finden kann. Daher gilt der Missionsbefehl auch heute, auch wenn es dunkler geworden ist in einer Welt, die ins Neuheidentum abgefallen ist - und demzufolge zum göttlichen Gericht heranreift. Beten wir also für den Bestand der kleinen Schar von Gläubigen, mit denen wir in konzentrierter Form herzlich verbunden sein dürfen, denn so klein die Herde Jeschuas auch sein mag, die Pforten der Hölle können sie nicht überwinden! Dafür dürfen wir dem HERRN der Ernte herzlich Dank sagen, denn Er kennt einen jeden einzelnen mit Namen, was ich auch für mein Volk in Zion wünschte (Jes. 62,1-3).

Schalom uwracha le-kol ha-chawerim be-schem schel Jeschua ha-Maschiach. Der Friede und Segen sei mit allen Geschwistern im Namen von Jesus, dem Christus.



In Seiner Liebe





(Klaus Mosche Pülz)





eine Information des ZeLeM e.V (2006)